Für die erste Reitstunde braucht dein Kind erstaunlich wenig, und fast alles davon hängt wahrscheinlich schon im Schrank. Es lohnt sich, nach dem Grundsatz vorzugehen: lieber weniger kaufen, das aber richtig. Denn eine Sache entscheidet über die Sicherheit, alles andere ist Komfort und Gewohnheit.
Die Kurzfassung für die erste Stunde
- Ein passender Reithelm nach Reitnorm. Viele Höfe verleihen für den Anfang welche, frag vorher nach.
- Feste Schuhe mit glattem Schaft und kleinem Absatz. Gummistiefel reichen.
- Eine enge lange Hose ohne dicke Innennähte, zum Beispiel eine Leggings.
- Ein Oberteil, das nicht flattert, lange Haare zusammengebunden, kein Schal und keine Kapuzenbänder.
Das war es. Reitstiefel, Reithose und Sicherheitsweste kannst du kaufen, wenn klar ist, dass aus dem Ausprobieren ein Hobby wird.
Der Reithelm: der einzige Posten ohne Kompromiss
Der Helm ist die Ausrüstung, bei der es keine Zwischenlösung gibt. Achte auf das Prüfzeichen einer aktuellen Reitnorm: EN 1384 in der aktuellen Fassung oder die weiterhin gebräuchliche Übergangsnorm VG1 01.040 2014-12. Beide sind speziell für den Sturz vom Pferd ausgelegt, also für Fallhöhe, Aufprall auf Kante und Huftritt.
Ein Fahrradhelm ist kein Ersatz. Ihm fehlen der Schutz am Hinterkopf und ein Rückhaltesystem, das den Helm beim Sturz an Ort und Stelle hält. Genau darauf kommt es beim Reiten an, weil man rückwärts und aus zwei Metern Höhe fällt, nicht nach vorn über einen Lenker.
Beim Kauf zählt die Passform mehr als die Marke: Der Helm sitzt waagerecht, wackelt beim Kopfschütteln nicht und drückt nirgends. Zum Mitwachsen gibt es Modelle mit Drehrad am Hinterkopf. Ein Helm, der einen harten Aufprall hinter sich hat, gehört ersetzt, auch wenn man ihm nichts ansieht. Aus demselben Grund ist ein gebrauchter Helm eine schlechte Idee, denn seine Vorgeschichte kennt niemand.
Welche Schuhe zum Reiten?
Nach dem Helm ist das die häufigste Frage, und sie hat mit dem Steigbügel zu tun. Der Schuh muss aus dem Bügel rutschen können, wenn dein Kind fällt. Deshalb gilt:
- Glatter Schaft. Keine Schnürsenkel, keine Schnallen, kein Klettverschluss, nichts, was sich im Bügel verhaken kann.
- Kleiner Absatz von etwa anderthalb Zentimetern. Er verhindert, dass der Fuß durch den Bügel rutscht.
- Glatte oder flach profilierte Sohle. Grobe Profile bleiben hängen.
- Geschlossen und knöchelhoch. Auf dem Hof wird getreten, und zwar nicht absichtlich.
Für den Anfang tun es Gummistiefel, sie erfüllen alle vier Punkte. Wird es ernster, sind Jodhpurstiefeletten die übliche Wahl, oft kombiniert mit Chaps, also Lederstulpen für den Unterschenkel. Das ist günstiger als lange Reitstiefel und wächst besser mit. Im Sommer bleiben Sandalen, Crocs und Turnschuhe mit dicker Sohle am Hof besser im Auto. Im Winter sind Thermoreitstiefel angenehm, sie sollten aber nicht so dick sein, dass der Fuß im Bügel klemmt.
Die Hose
Am Anfang reicht jede enge lange Hose ohne dicke Innennaht, also Leggings oder Jogginghose. Dicke Nähte an der Innenseite scheuern beim Reiten, und das merkt dein Kind schon nach zwanzig Minuten. Jeans sind aus demselben Grund ungeeignet.
Später wird eine echte Reithose sinnvoll. Sie hat einen Besatz an der Innenseite, entweder nur am Knie oder auf der gesamten Innenseite. Kniebesatz reicht für Kinder in der Regel. Für den Sommer gibt es dünne Reitleggings, für den Winter gefütterte Thermoreithosen.
Sicherheitsweste: wann sie sinnvoll ist
Eine Sicherheitsweste schützt Rücken, Brustkorb und Flanken. Sie ist beim normalen Unterricht in der Halle kein Muss, viele Höfe schreiben sie im Kinderunterricht trotzdem vor, und bei Geländeritten und im Springen über feste Hindernisse ist sie im Turniersport Pflicht. Achte auf die Norm EN 13158 und dort auf Level 3, das ist der Standard für den Freizeit- und Turniersport. Wichtig ist auch hier die Passform: Eine zu große Weste schiebt sich beim Sturz hoch und schützt dann genau dort nicht, wo sie soll.
Putzzeug
Sobald dein Kind das Pony selbst putzen darf, will es eigenes Zeug haben, und das ist ein gutes Zeichen. Die Grundausstattung passt in eine kleine Box: Striegel, Kardätsche, Hufkratzer, Mähnenkamm und ein Lappen. Alles Weitere kommt mit der Zeit von allein dazu. Auf vielen Höfen steht Putzzeug bereit, ein eigenes ist trotzdem beliebt, weil es dem Kind eine Aufgabe gibt.
Was du dir am Anfang sparen kannst
Gerte und Sporen braucht ein Anfängerkind nicht, im Unterricht bekommt es eine Gerte gestellt, wenn sie gebraucht wird. Komplettsets aus dem Katalog sind selten ein gutes Geschäft, weil die Hälfte davon nicht passt. Eigenes Sattelzeug ist erst mit einem eigenen Pferd ein Thema. Und weil Kinderfüße und Kinderbeine schnell wachsen: Stiefel, Chaps und Hosen bekommt man auf Reitflohmärkten, in Facebook-Gruppen oder am schwarzen Brett des Hofs oft für wenig Geld. Der Helm ist die eine Ausnahme, den kauft man neu.
Häufige Fragen
Reicht ein Fahrradhelm für die erste Stunde?
Nein. Ohne Hinterkopfschutz und Rückhaltesystem schützt er beim Sturz vom Pferd nicht ausreichend. Viele Höfe verleihen Reithelme, das ist die bessere Lösung für den Anfang.
Welche Schuhe im Sommer?
Geschlossene, feste Schuhe mit glattem Schaft und kleinem Absatz, zum Beispiel Jodhpurstiefeletten. Sandalen und Crocs sind auf dem Hof gefährlich, auch abseits des Pferdes.
Ab wann lohnen sich richtige Reitstiefel?
Meist erst, wenn dein Kind regelmäßig reitet und aufhört, jedes halbe Jahr eine Schuhgröße zuzulegen. Stiefeletten mit Chaps sind bis dahin die praktischere Kombination.
Kann man einen Reithelm gebraucht kaufen?
Besser nicht. Ein Helm, der einmal hart aufgeschlagen ist, hat seine Schutzwirkung verloren, ohne dass man es ihm ansieht.
Wie teuer ist die Grundausstattung?
Das hängt fast nur am Helm, alles andere lässt sich zu Beginn aus dem Schrank oder gebraucht zusammenstellen. Ein Blick in die Preisliste des Hofs lohnt sich zusätzlich, denn manche verleihen neben Helmen auch Westen.
Wenn die Ausrüstung steht, fehlt nur noch der passende Hof: alle Orte im Überblick. Wie der Einstieg abläuft und ab welchem Alter welches Angebot passt, steht im Ratgeber Reiten lernen für Kinder.
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